Montag, 18. Februar 2008

GASTBLOG: Dieter-in-Panama

Ganz kurz nur etwas von dem Herr aller blogger, mir: mein Vater, der mich hier besucht hat, in Panama, hat hier einen Gastblog geschrieben, und der handelt über seine Ansichten von Panama. Wenn ich mich zwischendrin zu Wort melde, schreibe ich das in diesem hübschen Grau, muss man aber eigendlich gar nicht ignorieren. Also, hier kommts:

Einleitung: Gerald als der Herr dieses Internet-Tagebuches hatte schon früher die Idee, auch andere um Einträge in seinen Blog zu bitten. Jetzt habe ich als erster diese Ehre. Warum? Wegen der Koinzidenz.
Vorgeschichte - Ereignis A: Gerald hatte sich im Sept.06 bei AFS beworben und im Oktober (, nachdem er sich qualifiziert hatte) für Panama als 2. oder 3.bestes für ihn in Frage kommendes Land entschieden. Im Dez.06 kam die Zusage für Panama, was schon damals für ihn und uns die Erfüllung eines Traumes war. Am 23.Aug.07 ist er dann endlich und ungeduldig, wie der geneigte Leser dieses Blog weiß, nach Panama ausgereist und berichtet uns seitdem atemlos in einem fast fehlerfreien Deutsch davon.
Vorgeschichte - Ereignis B: Eine große Deutsche Baufirma, bei der ich angestellt bin, hatte vor langer Zeit entschieden, sich für den Ausbau des Panamakanals zu bewerben. Anfang Sept.07 (Gerald war schon 2 Wochen in Panama) wurde ich dann zu meiner Überraschung ausersehen, sich um dieses Projekt zu kümmern. Bis zum Nov.07 haben wir mit unseren Partnern die ersten Unterlagen zur Prüfung bei der Kanalbehörde in Panama eingereicht, und im Dez.07 wurden wir zusammen mit drei Mitbewerbern zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Damit war die erste Hürde genommen. Die nächste Hürde ist jetzt, bis Aug.08, einen Preis für den Bau der zwei mal drei Schleusen zu ermitteln und bei der Kanalbehörde zusammen mit einer umfangreichen technischen Dokumentation abzugeben. In Vorbereitung dazu bin ich jetzt, zusammen mit anderen Kollegen auch von den Partnerfirmen, für verschiedene Treffen mit der Kanalbehörde zum ersten Mal vom 09.02.-15.02.08 nach Panama geflogen.
Koinzidenz: Das bedeutet, zwei Ereignisse (hier A und B), die ursprünglich eigentlich nichts miteinander zu tun hatten, treffen plötzlich zusammen. Natürlich haben Gerald und ich (sein Vater) miteinander zu tun, aber dass wir beide uns beide in Panama getroffen haben, ist absolut unabhängig bedingt, ein wunderschöner Zufall. ( ein tatsächlich toller Zufall, weil ich nur so in sein Hotel gekommen bin, um mal zu sehen, wie das so ist. Ich wusste gar nicht, dass mein Vater da ist. Aber wir sind dann zufällig, mit meinen Eltern essen gegangen, weil die zufällig Zeit atten. Sachen gibts... solche tollen Zufälle...)
Tagebuch: Am Samstag Morgen bin ich früh um 04:30 nach Düsseldorf losgefahren und habe dort einen Kollegen aus Bremen getroffen. Zuerst sind wir nach Madrid und von dort mit der Iberia über Guatemala nach Panama geflogen, genau wie Gerald. Gut, es war eine andere Klasse und daher nicht so anstrengend, 19 Stunden unterwegs zu sein. Allein mit acht Knöpfen spielen zu können, um den Sitz in jede Position zu bewegen, inbegriffen eine nahezu waagerechte ausgestreckte Liegeposition und Rückenmassage, machte den Flug erträglich, auch wenn das Essen nicht so toll war.
In Panama gab es recht einfache Einreiseformalitäten, die Koffer kamen auch schnell und unversehrt, und dann zum ersten Mal der Genuss von feuchter warmer Luft, obwohl nachts um 22:00. In der Taxifahrt für 27$ inbegriffen war, neben etwas Site Seeing, auch ein Beinahe-Unfall mit einem anderen Taxi, na ja, war ja schließlich noch sehr voll auf den Straßen. ( $27 für eine Taxifahrt, ist viel zu teuer, und das kommt nur, weil er und seine Kollegen Deutsche sind...Mir ist das noch nicht passiert, dass ich mehr als $10 bezahlen musste, normaler weise kosten die Taxis hier zwischen $1 und $5... also: HAHAHA )
Der 1. Tag: Das Hotel El Panama war recht ordentlich, ein großes sauberes Zimmer, aber am ersten Tag, dem Sonntag, hatten wir ein mehr als schlichtes Frühstück, welches im Preis (für $180) inbegriffen war. Ab Montag hatten wir nach kurzer Beschwerde ein phantastisches Büfett, mit frischen Omeletts und vielen „exotischen“, d.h. einheimischen Früchten und und und. Danach haben wir einen längeren Spaziergang zur Küste gemacht, vorbei an tollen Hochhäusern und stinkenden Abwässern. Nach 1-2 Stunden waren wir nass geschwitzt, und ich hatte 5 Blasen, weil ich neue Mokassins trug. Mittels einer Telepfhonkarte für 5$ (reicht für knapp 2 Stunden Deutschland-Sprechen) konnte ich endlich auch Christiane anrufen, unsere Handies funktionieren in Panama nicht, falsche Wellenlänge.
Um 17:00 dann der Höhepunkt, endlich den Gerald in den Arm nehmen. Er hat sich auch toll gefreut, obwohl ein erster Größenvergleich noch nicht zu seinen Gunsten ausging. Aber er sah sehr gut aus, recht groß, schlank, leicht braun, wuschlige Haare, Kette. Später an der Poolbar und bei den anderen Treffen habe ich dann festgestellt, dass er sehr souverän und weltgewandt ist, und ohne Probleme zwischen Spanisch, Englisch und Deutsch hin und her schalten kann. Gerade sein Spanisch scheint mühelos und schnell, mit großem Wortschatz, und wichtiger, auch verständlich zu sein. Das gilt auch für sein Englisch, das kann ich ja selbst beurteilen. ( Hier kommentire ich nichts, stimmt alles!!)Um 20:30 ist dann seine Gastfamilie zum Hotel gekommen, um uns zum Amador Causeway zu fahren, einem Archipel mit Marinas, Restaurants usw., entstanden aus dem Felsaushub vom Canal. Dort gab es ein nettes Essen, ich hatte Langostinos im Speckmantel. Gerald und ich hatten als Vorspeise Puplo sauer gebeizt, ich betone noch einmal, Gerald und Pulpo! ( ganz nebenbei, für die Leute die keine Spanien, oder Lateinamerika touristen sind, wie mein Vater jetzt, und ich sowiso, pulpo ist Tintenfisch, und wird als: Chervische de Pulpo als vorspeise gereicht, und isthalt Tintenfisch in einer Tunke, aus öl, Salz und Gewürzen, und ist fantastisch!! )
Jetzt habe ich die erste Gelegenheit, Geralds Gastfamilie und Gerald inmitten seiner Gastfamilie zu beobachten. Sehr nett. Da ist Miguel (Papa) als ruhender Pol, sehr viel wissend und sehr wohl meinend; Elsebir (Mama Elsy) als der lebhaftere Teil, die mit netter Fürsorge auf Gerald aufpasst und sein Spanisch korrigiert; Michelle, sehr hübsch, als die freundliche ältere Schwester; dazu Xixo , eigentlich Jose, der liebe Freund von Michelle ( aber weil hier jeder Jose, Juan, Enrique, Fernando, oft sogar in zweifacher Form heisst, gibt es hier sehr viele Spitznamen ). Elliot, der Gastbruder, ist ja zur Zeit mit AFS in USA.
Und Gerald ist mittendrin, diskutiert lebhaft mit, macht Witze, und hat Spaß. Und seine Familie hat Spaß mit ihm. Außer seiner Fremdartigkeit im Aussehen und Wesen schätzen sie (wurde mir später gesagt) seine Hilfsbereitschaft („Gentleman“) und Freundlichkeit, wenngleich sie es toll fanden, dass er seine anfängliche Schüchternheit und Zurückhaltung schnell abgelegt hat.
Um 23:00 ging ein netter fröhlicher Abend zu Ende, wurde auch Zeit, weil ich ja noch die 6 Std. Zeitverschiebung fühlte.
Den 2. und 3. Tag kürze ich ab, es geht ja hier um Gerald. Ich hatte da die offiziellen Termine bei der Kanalbehörde (eine riesige Einrichtung, ein ganzes Dorf noch von den Amerikaner eingerichtet) und ein Besuch der zukünftigen Baustelle (Kriechspuren von Krokodilen gab es dort!), und Treffen mit den Partnerfirmen, bis spät in den Abend. Außerdem schlimme Nächte, weil eine Hauptverkehrsstraße und eine laute Disco am Hotel El Panama stören.
Der 4. Tag: Morgens den letzten wichtigsten offiziellen Termin, ab 17:00 dann warten auf Gerald. Der kam um 19:00, aufgehalten durch einen Streik der Bauarbeiter. Die haben sich recht schlimm aufgeführt, ganze Kreuzungen abgeriegelt, Sachen in Brand gesteckt und sich heftige Schlachten mit der Polizei geliefert, selbst Tote gab es, so dass Geralds Gastmutter vor irgendwelchen Aktivitäten außerhalb von ihrem Wohnort oder Hotel abgeraten hatte (Verbot!). Also waren Gerald und ich schön brav nur zum Abendessen (Langostinos / Steak) in meinem Hotel. ( Da bitten mich aber sämtliche Panamesischen Behörden extra draufhin zuweisen, dass das kein Normalzustand war, mit von den Arbeitern verursachten Waldbränden (auch vor meinem Haus, Strassenschlachten, gegen die sich die Polizei mit Gaspistolen, Rauchgranaten, Wasser, Schilder und Schlagstöcke gewert hat, und das ganze Land Chaos hatte. )
Der 5. und letzte Tag: Morgens wieder Besprechungen mit den Partnern, aber ab 15:00 frei für und mit Gerald. Die Streiks schienen auch vorbei. Also kam Michelle mit Gerald und dem wilden Cockerspaniel Poker und hat mich und meinen Koffer abgeholt, und ganz vorsichtig (wie sie so fährt) erst zu Geralds Schule (Instituto Sun Yat-Chen / CCCP) gefahren. Mit einen Visitor-Schildchen durften wir auch rein, obwohl ja noch Ferien sind. War sehr beeindruckend, alles sehr großzügig angelegt, mit viel Grün drumherum, eigene Sporthalle mit Tribünen (für Paraden), Exerzierplatz, Schwimmbad, viel Chinesisch (z.B. Chiang Kai-shek Figur, Pagoden etc.) und einem eigenen großen Park und Sportplatz auf der anderen Straßenseite. Sowohl Michelle als auch Gerald fanden ihre (Ex-) Schule sehr gut.
Danach haben wir Miguels Firma besucht und die netten Angestellten begrüßt. Die Firma verkauft als größte von Panama Generatoren ( und Pumpen) und repariert / wartet die auch. Anschließend zur Bank (lustig, am Autoschalter wird einem das Geld zugeschickt, ohne Menschen) und in einen Supermarkt. Dort haben wir Panama-Kaffee gekauft, bin einmal gespannt, wie der schmeckt, wie auch auf den 7 Jahre alten Rum aus Panama, den wir für $11 im Winestore erstanden haben.
Um ca. 16:00 waren wir in Geralds Haus. Es liegt in einem exklusiven abgeschlossenen Camp mit Wachleuten, etwa 50 Häuser (und das mal 3, weil es noch 2 andere identische Camps gibt, die zusammen gehören). Ein Haus wie das andere, aber alle sehr schön und komfortabel. Bisschen wenig Grundstück, nur Geralds nicht, weil die Gasteltern zwei Grundstücke besitzen. Geralds Haus ist sehr gut eingerichtet, er hat es mir von oben bis unten gezeigt, aber das schönste sind die zwei Riesen-Hängematten auf der Terrasse. Sein Zimmer ist auch nett, etwas schattig, mit eigener Toilette (lustiges System) und Dusche. Überall sind Airconditioner und/oder Deckenventilatoren, wie gesagt, es ist immer sehr schwül.
Eben noch einmal mit Gerald, seinen Gasteltern und einer Tante in einen Supermarkt (nicht so anders als in D.), und dann begann ein reges Leben in Geralds Haus. Immer neue Verwandte tauchten auf, kriegen ein höfliches Küsschen rechts auf die Wange, etwas Lasagne von Onkel Julio gekocht, und waren irgendwann wieder weg mit einem Küsschen. Wer da wer war? Cousinen, Onkel, Tanten. Eine neue Freundin von Jorge wurde auch erst besprochen und dann bestaunt. Sehr spannend alles.
Um 20:00 mußte ich dann los, zum Flughafen Tocumen. Elsy, Miguel und Gerald haben mich gebracht, hat lange gedauert, weil doch noch viel Verkehr war. Beim Einchecken habe ich festgestellt, dass mein Koffer nur noch 15kg wog, obwohl ich schon dreimal gelesene Bücher von Gerald mitgenommen habe und Geralds tollsten Besitz, die Riesenmuschel (ist heile nach Hause gekommen). 25kg hatte ich mitgebracht. Wie kam das denn, Gerald?
Eine letztes Küsschen für Elsy, Klopfen für Miguel (der mir eine Panama-Canal Mütze und für Christiane eine Dublonen-Kette geschenkt hat), Umarmung mit Gerald. Nein, der war nicht traurig, eher froh, dass er noch da bleiben darf. Ich bilde mir aber ein, dass er Spaß hatte an meinem Besuch. Hat er jedenfalls gesagt. ( Stimmt auch, aber ich bedauer immer jeden, den ich aus Panama verabschiede, AFS-freunde, die nur 6 Monate hier waren, Elliot, der in die usa geflogen ist, oder meinen Vater, weil die alle gehen müssen, und ic hhier noch 6 weitere Monate bleiben darf. )
Ich war als letzter, aber immer noch früh genug bei meinen Kollegen (die sich alle mit Panamahüten eingedeckt haben), und ab ging es pünktlich um 22:35 nach Madrid. Zum ersten Mal habe ich 5 Stunden in einem Flugzeug geschlafen, und so war ich recht fit um 18:05 in Düsseldorf, und um 20:30 glücklich zu Hause.

Danke Gerald! Danke Miguel, Elsy, Michelle und Xixo!